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Der Zugewinnausgleich Teil II


Der sogenannte „Zugewinnausgleich“, der im Rahmen eines Scheidungsverfahrens häufig durchzuführen ist, wirft bei vielen Betroffenen erst einmal große Fragen auf. In unserem letzten Beitrag „Der Zugewinnausgleich – Teil I“ wurde bereits über die Grundlagen des Zugewinnausgleichs informiert. Im Folgenden Artikel soll das Verfahren und die Voraussetzungen des Zugewinnausgleichs näher beleuchtet werden. Folgender Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt keine rechtliche Beratung in Ihrem konkreten Beispielsfall. Es soll lediglich ein Überblick über die Rechtsthematik verschafft und auf einige spezifische Probleme, die häufiger auftreten hingewiesen werden.

Was bedeutet „Zugewinnausgleich“?


Jeder Ehegatte muss im Rahmen des Zugewinnausgleichsverfahrens eine Aufstellung über alle Vermögenswerte (Aktiva und Passiva) zu Beginn der Ehe (am Tag der Eheschließung!), zum Zeitpunkt der Trennung und zum Zeitpunkt der Rechtshängigkeit des Scheidungsantrages erstellen. Das Vermögen, das zum Zeitpunkt der Eheschließung vorhanden ist, nennt man Anfangsvermögen. Das Vermögen, welches man im Zeitpunkt der Trennung, bzw. im Zeitpunkt der Zustellung des Scheidungsantrages hat, nennt man Endvermögen.
Der erzielte Zugewinn errechnet sich aus der Differenz zwischen End- und Anfangsvermögen.
Einfach ausgedrückt: Endvermögen – Anfangsvermögen = Zugewinn.
Der Ehegatte der den höheren Zugewinn erzielt hat, hat dem anderen Ehegatten den höheren Betrag auszugleichen.

Wie läuft ein Zugewinnausgleichsverfahren ab?


Der Zugewinnausgleich wird zunächst von den Ehegatten untereinander vorgenommen. Jeder Ehegatte hat gegenüber dem andren Ehegatten einen Auskunftsanspruchauf Bekanntgabe seines Endvermögenszum Zeitpunkt der Trennung und zum Zeitpunkt der Zustellung des Scheidungsantrages. Von diesem Endvermögen ist das Anfangsvermögen abzuziehen.
Werden Sie aufgefordert Auskunft zu erteilen, müssen Sie dieser Aufforderung nachkommen. Umgekehrt können Sie auch von Ihrem Ehegatten Auskunft verlangen. Bei der Aufstellung Ihrer Vermögenswerte wird Ihnen Ihr Anwalt helfen.
Liegen die Bilanzen vor, so hat derjenige Ehegatte, der während der Ehe mehr Vermögen erworben hat als der andere, die Hälfte der Differenz zum Vermögenszuwachs des anderen Ehegatten, auszugleichen.
Werden sich die Ehegatten nicht einig, muss auf Antrag eines der Ehegatten ein gerichtliches Zugewinnausgleichsverfahren durchgeführt werden.

Was ist das Anfangsvermögen?


Zum Anfangsvermögengehören alle Vermögensgegenstände eines Ehegatten, die dieser zum Zeitpunkt der Eheschließungbesaß. Schulden sind abzuziehen.
Ebenfalls zum Anfangsvermögen gehören alle Vermögensgegenstände eines Ehegatten, die dieser während der Ehe durch Schenkung (von Dritten) oder Erbschaft erworben hat. Das nach Abzug des Anfangsvermögens verbleibende Endvermögen stellt den Zugewinn dar.

Was ist das Endvermögen?


Zum Endvermögen gehören alle Vermögensgegenstände eines Ehegatten, die zum Stichtag(Zustellung des Scheidungsantrages an den anderen Ehepartner) vorhanden sind, unabhängig davon, woher das Vermögen stammt (Erbschaft, Schenkung, Aktien, Immobilien etc.). Gemeinsames Vermögen, z.B. eine Immobilie gehört ebenfalls in das Endvermögen, aber nur der „eigene“ Anteil.
Schulden sind abzuziehen vom Endvermögen.

Wie wird der Zugewinn berechnet? Um den Zugewinnausgleich zu berechnen, werden die beiden Gesamtvermögen der Ehegatten miteinander vergleichen. Das Vermögen jedes Ehegatten wird jeweils aus dem Saldo von Aktiva und Passiva errechnet. Zur Berechnung des Zugewinns werden vier Zahlenwerte benötigt:
Das Anfangsvermögen des Mannes (AV Mann)Das Endvermögen des Mannes (EV Mann)
Das Anfangsvermögen der Frau (AV Frau)Das Endvermögen der Frau (EV Frau)
Hierzu ein Rechen-Beispiel:

Ehemann hat ein Anfangsvermögen von 50.000 Euro und ein Endvermögen von 140.000 Euro.Die Ehefrau hat ein Anfangsvermögen von 0 Euro und ein Endvermögen von 60.000 Euro.
Zugewinn Mann: 140.000 – 50.000 = 90.000 EuroZugewinn Frau: 60.000 – 0 = 60.000 Euro
Differenz: 30.000 Euro
Ergebnis der Ehemann hat der Frau die Hälfte, also 15.000 Euro auszugleichen.
Es ist also vorteilhaft, wenn das Anfangsvermögen möglichst groß, das Endvermögen möglichst klein ist, der Zugewinn ist dann umso kleiner.

Haben Sie hierzu noch Fragen? Wünschen Sie eine Beratung für Ihren konkreten Einzelfall? Wir beraten Sie gerne.

Elisabeth RitzerRechtsanwälte Ritzer & Kollegen in Ingolstadt
Rechtsanwälte Ritzer & Kollegen, erreichbar unter Tel. 0841 / 149 08 733

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In unserem nächsten Beitrag „Zugewinnausgleich – Teil III“ (hier klicken) fassen wir für Sie die wichtigsten Informationen zu folgenden Fragen zusammen:

Wann wird kein Zugewinnausgleich durchgeführt?
Wann verjährt meine Zugewinnausgleichsforderung?
Welche Auswirkungen hat der Zugewinnausgleich auf den Unterhalt?
Was muss ich beachten?